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Monday, October 12, 2015

2015-10-12-Nachmittag

”Die Existenz einer andern Sprache in mir musste akzeptiert werden."
-- Weiss, Peter: Die Ästhetik des Widerstands, S. 768

Schwierig einen Anfang zu finden. Es ist alles noch nicht verarbeitet. Aber vielleicht kann es ein Leben werden. Warum nicht mal dran glauben?


Entdecke erneut RSS. Auch mal kürzere Einträge versuchen. @mediumflow und @goncourt machen es Eindrucksvoll vor.


Bin glücklich.

Thursday, October 8, 2015

2015-10-08-Nacht

Biologismus also. Bemerkenswert die Bereitwilligkeit mit der sich hier in Tiefe kommentierend auseinandergesetzt wird. Möglicherweise relevant für die Thalassophobie. Kommentare dieser Sorte werfen aber auch die Frage auf, inwiefern ich auf diese direkt(er) Bezug nehmen sollte. Ich empfinde jedenfalls Dankbarkeit. Dieses Journal gibt ja Einblicke ins Unfertigste. Spielt jedenfalls damit.

Aber auch inhaltlich wäre das wohl ernst zunehmen. Der Vorwurf scheint in der fehlenden Differenzierung zu liegen. Ich/Welt, z.B. Darauf gäbe es zweierlei zu entgegnen: Erstens Ich/Welt wird erst hergestellt (Von wem? Von Akteuren.) und ist dann aber sehr wohl vorhanden. Das heißt: Ich stimme in gewisser Weise zu. Das Subjektive, das ein Ich sein wird, ist es selbst aber erst nach dem es zu Stande kommt, wobei das keine Einbahnstraße ist. Das jedenfalls ist die Arbeitshypothese. Es wird hergestellt/geboren/konstruiert und liegt nicht als Seiendes ohne Bio-Grafie , Leben-Schreiben, vor. Das heißt: Beschreibung. Das ist was ich tue. Dass Ich es tut, zeigt, dass ich aus mir schreibe, aber bereit bin dieses Ich selbst auf seine Gemachtheit, auf seinen changierenden Status bezüglich seiner Realität hin, zu befragen. Und außerdem nicht nur mein Ich, sondern auch alles andere. Stichwort wäre möglicherweise “Ontologizität”. Oder mit Latour: Wie moderne Welt beschreiben, wenn modernes Vokabular gesperrt? Dass mit Akteur-Netzwerken notwendig eine Dislokalisierung des Ichs einhergeht, scheint mir in Verlängerung des Diskurses um den Verlust des Subjektes im Raume der Repräsentation eigentlich nicht weiter verwunderlich.

Usw. Muss ins Bett.

Monday, October 5, 2015

2015-10-05-Nacht

Der Hinweis darauf, dass Zeit sensorisch kaum erfassbar, aber dann eben doch brachte mich auf den Gedanken, dass darin vielleicht mein Anspruch zu suchen wäre: Ich will immer beide Seiten. Etwa Schicksal: Die Profanität dessen in seiner vollen Gültigkeit anerkennen, wie auch die magische Großartigkeit von Koinzidenzien affirmieren. Eine Art Akzeptanz all dessen in mir, was widerstrebt. Aber nicht einfach, niemals einfach. Immer auch gleich eingebunden in die unerschöpfliche Herausforderung des eigenen Anspruchs, dem gerecht zu werden schon die Logik widerspricht. Aber es gibt dann doch Wege. Differenz Wirklichkeit und Möglichkeit etwa. Es braucht halt Zeit und Geduld. Es braucht Ausdauer und die Fähigkeit die Situation hervorzurufen, in der Geschichte in meinem Sinn zu schreiben möglich und schließlich wirklich wird.

Komplimente annehmen können heißt, dass man eine Qualität annehmen können muss, die man jetzt zumindest nicht mehr nur allein kennt. Die Kleinstbeschreibungen winziger Gesten, winziger Zusammenhänge, Wirkungen, die Verzaubern, die Erfahrbarkeit bedeuten. Diese Jedenfalls mitzuteilen und ihr Vorhandensein über das eigene Privatdispositiv hinaus eine Existenz haben können.

Es wäre hier Foucault zu zitieren. Habe seine Sachen aber nicht ausreichend genug zugänglich. Das wird mich noch mal in den Arsch beißen.


Ansonsten heute viel geschlafen, weil die letzte Nacht so kurz war. Das schlechte Gewissen ist enorm. Las aber immerhin ein paar Seiten. Schrieb ein paar Zettel voll. Kann ich irgendwann mal wieder von meinem Setup in Gänze berichten? Fragt sich wann. Dass ich nun nicht mehr nur ich bin heißt auch, dass Annahmen über die Produktivität in der theoretischen Arbeit vis-a-vis des Gemeinsamseins auf dem Prüfstand stehen. So etwa die Annahmen, dass man weniger produktiv sei. Stellt sich raus, dass der Zustand des Zusammenseins in gewisser Weise die lange lange vorhandene Gefühlslage des Sehnens als Stimulanz verringert. Man freut sich zusammen zu sein. Man freut sich dann seins machen zu können. Bleibt das?


Muss mich auf meine Beziehung zum Naturschutz hin befragen. Und nicht nur das. Muss mich fragen, was mir daran (un)wichtig ist. In der neuerlichen Selbsterklärung, die ein Auslandsaufenthalt so mit sich bringt, darauf gestoßen, dass ich eine Erhaltung von Natur im Hinblick auf die fast lächerliche Unwichtigkeit des Menschen in der Geschichte der “Natur” ich diese Anstrengungen allzu schnell als Hybris abtue. Die Erzählung jedenfalls trägt für mich persönlich nicht. Wenn es aber nicht um die Konservierung von Natur geht, oder jedenfalls keinesfalls im Hinblick auf einen theologisch aufgeladenen Paradieszustand, um was geht es dann? Meine Meinung: Es geht um die Sorge. Wer Sorgsam mit den Dingen umgehen kann, kann diesen Egozentrismus neutralisieren. Es taucht am Horizont die Möglichkeit der nicht-menschlichen Agency auf.[^1]


Schließlich: Muss mehr Geschichte lesen. Muss überhaupt noch viel mehr lesen! Fragt sich nur wann. Derzeit hauptsächlich anstelle der eigentlichen Pflichtlektüren.

[^1]: Bruno Latour, Politics of nature: how to bring the sciences into democracy, Cambridge, Mass (Harvard University Press) 2004.

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