openmedi

2015-06-20-Nachmittag

(Dieses Posting spiegelt das letzte Posting dieser Art in meinem Wiki und zeigt damit den Übergang von dort nach hier an.)

  • "(es sieht im Augenblick sehr danach aus, dass ich mein Wiki gegen etwas eintausche, was besser handhabbar ist - nur: was?)" (q)
  • "(Vielleicht gestalte ich das Wiki auch einfach nur rigoros um. Was dem Wiki fehlt ist eine Disziplinierung meiner Person.)" (q)
  • "(Zu viel Freiheit an den falschen Stellen, die Arbeit und Rigorosität erfordern, die ich im Augenblick lieber anderweitig nutzen will.)" (q)
  • "(Insofern habe ich großen Respekt vor der Disziplin von @plomlompom, denn ich sehe jetzt, was das kostet.)" (q)
  • "(Für mich jedenfalls gut, das herausgefunden zu haben.)" (q)
  • "(Aber so in einem Wiki öffentlich zu arbeiten führt bei mir dazu, dass mir die eigene Produktivität durch die Finger rinnt.)" (q)
  • "(Deswegen passierte in jüngster Vergangenheit auch relativ wenig dort. Es war/ist in dieser Form ein unhaltbarer Versuchsaufbau.)" (q)
  • "(Zumal noch hinzukommt, dass meine besseren Texte ohnehin nicht im Wiki entstanden, was ja ein nicht ganz schlechter Indikator ist.)" (q)
  • "(Naja. Schreibe da noch ne Notiz zu.)" (q)

Hier ist also die Notiz. Was ist das Problem mit meinem Wiki? Wie ich bei Twitter schrieb, hat das Wiki den großen Nachteil, dass es "zu viel Freiheit an den falschen Stellen" gewährt. Was meine ich damit?

Der größte Vorteil des Wikiparadigmas ist, dass es so einfach ist. Grundlegend handelt es sich bei einem Wiki einfach nur um eine Reihe von Text(dateien), die miteinander über Hyperlinks verknüpft werden können. Damit erfüllt es die Mindestvoraussetzungen für wissenschaftliches Arbeiten: Ich kann sehr viele verschiedene Texte unterschiedlichster Länge schreiben und diese sich auf einander beziehen lassen. Diese Verknüpfung erzeugt Emergenz, d.h. unerwartete Qualität, die die Grundvoraussetzung für Forschung ist. Auf diesem Wege funktionieren in der Dingwelt Labors und von Blumenberg und Luhmann sind uns Karteikästen/Zettelkästen als papierene Varianten solcher Versuchsaufbaue bekannt. In ähnlicher Weise sollte und soll mein Wiki auch fungieren und explorieren wie so etwas auf und mit vernetzten Computern funktionieren kann. Das Wiki sollte als zunehmend zentralste Einrichtung meiner Wissensarbeit alle meine Interessen produktiv miteinander vereinen und synergetisch und d.h. produktiv in Verbindung bringen:

  • Meine Arbeit tun: Ganz naiv soll ich mit dem Wiki meinen Aufgaben als Studi eines Masters in Wissenschafts- und Technikgeschichte nachkommen können. Statt Block und Bleistift, oder Karteikarte und Kugelschreiber heißt mein Tool halt “Wiki”. Das ist auf der Ebene aber auch schon alles.
  • Wissenschaft und Kommunikation: Das Wiki sollte ein Ort sein, an dem Wissenschaft und Kommunikation gleichzeitig stattfindet, um damit zu zeigen, dass Wissenschaft einer PR-Institution mit dem Titel "Wissenschaftskommunikation" nicht immer benötigt, oder jedenfalls es neben der PR auch noch weitere Zugänge geben kann, die der PR und einander nichts wegnehmen, die sich nicht beschneiden, sondern lediglich die Chance der Teilhabe und -nahme erhöhen. Ich schicke mich nicht an für Andere zu sprechen. Ich glaube aber, dass das was mich interessiert, sehr wohl vermittelbar genug ist bzw. gemacht werden kann. Ich bin überzeugt, dass das im Wiki entwickelte sogar an Realität gewinnt, wenn es eine ständige Schnittstelle gibt, die die Möglichkeit vielfältiger Assoziation (durch mich und andere) ermöglicht. Oder einfach gesagt: Ich kann meine eigenen Forschungen in der Öffentlichkeit auch selbst vertreten und den dadurch stattfindenden Austausch auch gleich wieder als Impuls für mein eigenes Studium nutzen.[^1]
  • Öffentliches Arbeiten: Neben dem Effekt, den eine “Kommunizierbarmachung” meiner Arbeit auf Seiten der Arbeit intrinsisch mit sich bringt (neue Ideen und Impulse durch Austausch), besteht so auch die Chance einer reflexiven Untersuchung meiner Arbeit als Untersuchungsgegenstand selbst (und damit sozusagen “extrinsisch” als “von außen”). Da ein Wiki prinzipiell oder theoretisch kein Ende kennt - es kann immer noch eine nächste Seite geben, auf die verlinkt werden kann - gibt es einen sehr schönen Untersuchungsgegenstand für qualitative und quantitative Untersuchungen ab. Am Wiki und seinem speziellen Wachstum wird die Historizität meiner Arbeit ersichtlich und auch lassen sich vermutlich Schwerpunkte, Arbeitsweisen und ähnliches herausarbeiten. Außerdem ist das Wiki im idealen Falle sein eigenes Archiv: Das Wiki gibt über sich selbst in Form eines Wikis Auskunft und ist damit selbstreflexiv. Wichtiger ist hier aber, dass es anderen (und mir) - auch Laien! - die Chance gibt zu sehen, mit was man sich etwa im Bereich der Wissenschafts- und Technikgeschichte befasst und wie das geschieht. Ungeschminkt, unfertig und gewissermaßen “Backstage” bekommt man Zugang. Eine solche Arbeitsweise sollte anderen (und mir) die Möglichkeit geben epistemologische Fragestellungen so empirisch wie möglich beantworten zu können.
  • Erklärungs- und Referenzrepositorium: Wie gesagt, handelt es sich beim Wiki auch um eine Art Archiv. Dieser Effekt ist kleiner als ursprünglich gedacht. Ursprünglich nahm ich an, dass ich alle Exzerpte, alle Ideen und alle Texte ins Wiki einfließen lassen würde. Aber nichtsdestotrotz kann ich meine eigenen Gedanken soweit sie im Wiki sind öffentlich verlinken, wiederfinden und vielgestaltig referenzieren. Das ist der große Vorteil eines öffentlichen Schauplatzes des eigenen Denkens: Man muss nicht alles von Null an immer wieder neu erklären oder auffinden.
  • "Soziologische" Teststrecke: Ich bin Teil meiner Sphäre und in dieser existieren neben mir andere Akteure, mit denen ich interagiere. Es wäre gelogen, wenn ich sagen würde, dass dieses Wiki nicht auch aus dem Interesse entstanden wäre, mich in dieser außergewöhnlichen Weise diesen Akteuren zu präsentieren und mich gleichzeitig von ihnen zu differenzieren um mich besser und auf interessanterem Wege mit ihnen assoziieren zu können. Es steht außer Frage, dass dieser Umgang mit sich selbst, dem eigenen Denken und der eigenen Unzulänglichkeit - schlicht: dem eigenen Leben - in vielerlei Hinsicht ungewöhnlich ist. Es ist ein Experiment, dass sich erstmal ganz affirmativ den Möglichkeiten des Netzes gegenüber verhält und dann die Frage nach dem “Ich” in alle dem stellt (kein Subjekt, sondern nach dem Akteur, der von mir mein Ich genannt wird). Ändert sich etwas im Gespräch mit anderen? Ändert sich etwas an mir, wenn ich mehr oder weniger offen über mehr oder weniger alles das Auskunft gebe, was mich umtreibt?

All das ist Dank des Wikis theoretisch möglich. Das Problem liegt darin, dass das Wiki all diesen Anforderungen prinzipiell gerecht werden kann und mich damit einem nicht zu erfülenden Druck aussetzt. Denn das Wiki bietet keine Vereinfachungen für die Erfüllung der oben genannten Aufgaben an. Das wäre nicht weiter tragisch, wenn all diese Aufgaben nicht enorme Wartungskosten mit sich bringen würden. All diese Ebenen meiner Wikibenutzung setzen unterschiedliche Standards für die Erfüllung der damit verbundenen Aufgaben an. Da das Wiki von sich aus nichts tut, außer Wiki zu sein, muss ich so gut wie alles selbst machen. Nun ist es nicht so, dass ich irgendein Wiki nehme, sondern immerhin ikiwiki, was mir immerhin schon eine Menge Arbeit abnimmt. Aber trotzdem bleibt, dass Wartung meine Zeit auffrisst. Das Führen all der Listen, der Versuch meine Routinen zu protokollieren, der Versuch Projekte meines Lebens “in Echtzeit” im Wiki zu dokumentieren und weiterzuentwickeln, nebenbei noch ein Tagebuch zu führen und einen Zettelkasten und all das miteinander zu Verknüpfen, nicht nur im Kopf zu assoziieren sondern auch im Wiki, damit es von außen einsehbar ist, all das hat gezeigt, dass das Wiki zu wenig Möglichkeiten der Automatisierung anbietet, um als zentraler Knotenpunkt zu fungieren. Insofern steht nicht nur das Wiki als Tool, sondern auch die Idee dieses Knotenpunktes zur Disposition. Und das, wie gesagt, nicht, weil mit dem Wiki nicht alle meine Wünsche zu erfüllen wären. Denn sie wären es, aber nur theoretisch! Denn praktisch ist dieses Projekt in meiner Lebenssituation und vielleicht auch darüber hinaus in endlicher Zeit nicht zu machen. Ich brauche Hilfe, ich brauche mehr Automation, um mich und mein Tun auf diese Weise protokollier- und erfahrbar machen zu können.

Was folgt daraus? Ich werde das Wiki nicht einstampfen, nur ausdünnen. Was das Wiki in Zukunft wird, weiß ich nicht, aber das ist die neue Basis, auf der ich es verwenden will:

Das Wiki soll in Zukunft hauptsächlich Referenz- und Erklärungsrepositorium sein. Das heißt, es wird im Wiki zukünftig enzyklopädisch zugehen. Ich werde daneben eine Art Journal in Form eines Blogs anlegen, dass die Aufgabe dieser selbstreferenziellen Einträge übernimmt. Ich erhoffe mir von dieser Aufteilung eine arbeitsmäßige Entlastung. Außerdem dürfte damit klar sein, dass ich mich insgesamt etwas weniger im Netz publiziere (hier im Wortsinn als “veröffentlichen” gemeint).

Hauptseite wird also zukünftig das Journal sein, dass sich unter openmedi.antville.org finden wird.[^2]

[^1]: Man vergebe mir an dieser Stelle bitte, dass ich noch Masterstudent bin und mir Äußerungen dieser Art trotzdem erlaube. Der Grund, warum ich in dieser Weise darüber so spreche ist einfach der, dass mein Studium jetzt schon zum wissenschaftlichen Betrieb gehört, denn sind die Diskussionen in Seminaren und beim Essen oder beim Getränk, meine Nachforschungen und eigenen Vorstellungen und Ideen keinesfalls nur Makulatur. Im Gegenteil informieren sie mindestens meine Person (und, die Vermutung liegt nahe, auch andere, möglicherweise gar andere Wissenschaftler_innen!) jetzt aber auch zukünftig über mein eigene wissenschaftliche Arbeit. Wenn Lehre wirklich nur Lehre wäre und der Graben zwischen ihr und Forschung unüberbrückbar, wenn ich das glauben könnte, dann würde ich selbstredend nicht von Wissenschaft sprechen, wenn ich meine eigene wissenschaftliche Arbeit, die - ja, es stimmt - im Rahmen des Studium stattfindet, erwähne.

[^2]: Das sich dort noch befindliche ANT-Blog wird wahrscheinlich unter anderem Namen auch bei Antville zu finden sein. EDIT: latour.antville.org<

2015-05-25-Nachmittag3

Schrieb auf Twitter:

  • "(Wie gut es mir geht, wenn ich mich gehen lasse, wenn ich so wach bleibe, wie es mir liegt, wenn ich so schlafe, wie ich es brauche.)" (q)
  • "(Ich bin kreativer, produktiver und weitsichtiger, je weniger ich an dieser Stelle Kompromisse mache.)" (q)
  • "(Muss ich mir merken: Optimierung auf eine Sphäre hin, die das ermöglicht, ohne dass ich darüber ständig verhandeln muss.)" (q)
  • "(Dafür ist dann aber wohl eine gewisse informationelle Asymmetrie vonnöten. Weil ansonsten jede_r und alle_s mich einbeziehen möchte.)" (q)
  • "(Eine Privat-Sphäre so rum gedacht gewinnt dann auch wieder an Relevanz für mich.)" (q)
  • "(Dazu wäre vielleicht wirklich mal was zu schreiben…)" (q)

"Wirklich" schreibe ich jetzt auch nichts, aber ich wollte darüber noch ein bisschen mehr nachdenken.

Es ist nämlich so, dass sich dieser Gedanke mit dem Gedanken der Stimulanzökonomie (siehe [[StimulanzOekonomie]]) gut zusammenbringen lässt: Je weniger Stimulanz, desto produktiver bin ich. Bringt man jetzt noch den Umstand dazu, dass Involviertheit sehr intoxikierend ist, kommen wir auf etwas Spannendes: Nämlich, dass es nötig ist die relative Indifferenz von Nichtmenschen zu nutzen, um damit die Stimulanz auf ein aushaltbares Maß zu begrenzen.

In einem anderen Kontext habe ich auf Twitter von "Einhegungen" gesprochen:

  • "Plattformen kann man auch als Einhegungen denken. Eingehegt werden Akteure. Gehege sind Regelgewebe. @mspro @sebgiessmann" (q)
  • "Warum wäre das interessant? Weil sie von Akteuren spricht. Und den Doppelcharakter (ermöglicht/verhindert) dieser Sphären verdeutlicht." (q)
  • "Einhegungen sind selbst nämlich mehr als Regelgewebe. Keine Regel/Selektion ohne Aufrechterhaltungsarbeit." (q)
  • "Und gleichzeitig ist klar, dass die Einhegung der Akteure eine Entfaltung dieser in anderer Weise ermöglicht, weil er bestimmte, …" (q)
  • "… sonst vielleicht näherliegende Assoziationen verhindert. Gehege sind also auch eine Art Schutz." (q)
  • "Das Internet wird also, wenn man die Metapher bemühen will, ein anarchistischer Zoo. Allerdings mit dem entscheidenden Unterschied, dass …" (q)
  • "… der Aufenthalt in einem Gehege nicht ausschließlich oktroyiert wird." (q)
  • "In manchen Gehegen ist mehr los, in anderen weniger." (q)
  • "Der entscheidende Punkt hier: Metaphern des Orts bezüglich des Internet sind nur dann sinnvoll, wenn wir nicht in den Gehegen sind." (q)
  • "(Oder auf Plattformen stehen, for that matter.) Was im Gehege ist, ist ein mir zugehöriger Akteur (Profil oder Avatar)." (q)
  • "(Ich bin eben nicht viele. Aber ich habe viele. Avatare.)" (q)
  • "Dem folgend: Ein Staat kann sehr wohl Einhegung sein." (q)
  • "Symmetrisch-anthropologisch gedacht (everything has to be accounted for in the same way) spielt nämlich das Internet da gar keine Rolle." (q)
  • "Und deshalb bin ich ja auch so unzufrieden mit der Antwort @mspro eben genau auf diese Frage." (q)

(zur hier vorgeschlagenen Richtung aber ein andermal mehr)

Jedenfalls lässt sich mit Einhegungen sehr gut über das reden, was ich hier meine. Wenn man eine Privatsphäre als Einhegung betrachtet, dann wird deutlich, dass man hiermit im Sinne der Sphären Slotterdijks eine Lebensraum meint.[^1] Oder anders gesagt: Man umgibt sich mit verschiedenen gut kontrollierbaren Akteuren und interagiert mit diesen als Mediatoren mit dem Ziel, sich von der Außenwelt zumindest etwas, zumindest zeitweise abzukapseln. Die Einhegung sorgt für Emergenz (siehe [[VortragDigitalHumanities]], weil sie Reibung erzeugt. Und weil sie Zeit und Möglichkeit schafft innerhalb dieses Bereichs in selbstbestimmterer Weise - weil wir hier die Akteure in unserem Sinne diszipliniert haben - sich ganz bestimmten Akteuren zu widmen. Einem bestimmten Buch etwa, oder einem Akteur, der erst noch entstehen soll (einem eigenen Text). Oder etwas ganz anderem. Komisch wie sehr das an die kontrollierten Verhältnisse einer Experimentalanordnung erinnert… Deswegen nenne ich Einhegungen auch Versuchsaufbaue (siehe [[Versuchsaufbau]]).

Entscheidend ist, dass wir in jedem Moment unseres Lebens ständig in gleicher Weise von anderen Akteuren ins Spiel gebracht werden. Wir sind genauso Ressource, wie wir andere Akteure zu Ressourcen machen.

[^1]: Peter Sloterdijk, Sphären, Band 1: Blasen, Frankfurt (Suhrkamp) 1998. Es sei hier zugegeben und zugestanden, dass ich erst die ersten hundert Seiten von Slotterdijks Sphären gelesen habe.

2015-05-17-Mittag

Bin ich zu unvorsichtig im Denken? Eines ist jedenfalls klar: Mein begriffliches Vokabular fasst nur unzureichend das, was ich sagen will. Oder wie ich es sagen will. Im Prinzip handelt es sich hierbei um ein leicht erweitertes Vokabular der ANT.

  • Weltbeschreibung - Produkt eines Versuchsaufbaus (, der die Produktion von Weltbeschreibungen zum Ziel hat), verändert die Welt, in dem es sie beschreibt (man denke an Grafiti und StreetArt)
  • Versuchsaufbau - Ensemble von Akteuren, die epistemische Produkte produzieren (verallgemeinerte Variante des Rheinberger'schen Experimentalsystems)
  • EpistemischesProdukt - Nicht determiniertes, aber gleichzeitig auch nicht vollständig realisiertes/verwirklichtes Ding. (siehe EpistemischesDing)
  • Akteur - menschliche und nichtmenschliche Entitäten, diese sind selbst (epistemische) Produkte von Versuchsaufbauen, sie sind figurierte Varianten von Aktanten
  • Aktant - ein nicht-figurierter Akteur, eine Art Kraft, ein Etwas in der Welt, dass in spezifischer Weise lokal wirkt und verschiedenste Formen annehmen kann, man kann auch sagen: eine Handlungsmacht, die noch keine spezifische Form hat
  • Figuration - Aktanten trifft man in der Welt als Akteure an, mit welchen Akteuren man es zu tun hat, entscheidet die Figuration
  • Uebersetzung - Assoziation von zwei Akteuren, keine Kausalverbindung, sondern eine Schaffung von gegenseitiger Abhängigkeit (eben: von Koexistenz)
  • Blackbox - am besten beschreibt es Latour: "An intermediary, in my vocabulary, is what transports meaning or force without transformation: defining its inputs is enough to define its outputs. For all practical purposes, an intermediary can be taken not only as a black box, but also as a black box counting for one, even if it is internally made of many parts."[^1] Dementsprechend ist es eine Frage der Betrachtung und/oder der Wirkung was als Blackbox auftritt. Wichtig ist hier "can be taken", d.h. es tritt als Blackbox auf. Ein Blackbox ist das Produkt von Versuchsaufbauen. Damit ist jeder Akteur in dieser Perspektive auch Blackbox. Man kann sagen, dass man dem Produkt nicht notwendig seine Herstellung ansieht.[^2]
  • Blackboxsatz - In Texten tauchen Blackboxen ständig auf. Wenn man die argumentative und empirische, d.h. rhetorische Arbeit sieht, die in Texten passiert, bevor man zusammenfassende Sätze schreiben kann, dann liegt das auf der Hand. Hier ist das zusammenfassende dieser Sätze das was mit der allgemeineren Blackbox korrespondiert
  • Entscheidungsproblem - Damit ist das spezifische Einschätzungsproblem bezeichnet, dass alle Dinge so mitsichbringen. Nämlich: Das Verständnis von etwas ist von der eigenen Kenntnis der Umgebung dieses Etwas abhängig. Kenne ich mich nur sehr wenig mit einem Sachverhalt aus, kenne ich also den Diskurs drumherum nicht, dann kann ich nicht entscheiden, wie ich eine Aussage über etwas zu nehmen habe. Ich bin orientierungslos und jede Einschätzung ist von meinem Standpunkt aus gleich wahrscheinlich. Dieser Zustand ist im Diskurs aber nicht gegeben.
  • Diskurs - Ein Aussagensystem. Also ein gegliedertes Ganzes von Aussagen. Kann als Akteur-Netzwerk verstanden werden
  • AkteurNetzwerk - Ein Verbund von Akteuren. Es handelt sich nicht um feste Infrastruktur, sondern um ein Netzwerk, dass vollständig in der Bewegung, die es nachzuzeichnen gilt, existiert. Einfach gesagt: Alles was auf dem Wege der Produktion eines epistemischen Produkts durchlaufen wird, gehört einem Akteur-Netzwerk an. Eine andere Bezeichnung für ein Akteur-Netzwerk, die den Schwerpunkt auf die Produktion (und nicht auf die Assoziationskette) legt, ist "Versuchsaufbau".
  • Wissensformation - Eine Struktur von Wissen, die geblackboxt wurde. Ein "kleines" Aussagensystem, dass historischen Veränderungen unterworfen ist.
  • diskursives Element - Eine andere Bezeichnung für Wissensformation, die darauf verweist, dass Wissensformationen in größeren Diskursen zirkulieren (können).
  • Sphaere - Der Ort, in dem Existenz möglich wird. Ein Akteur-Netzwerk kann als Sphaere verstanden werden. Und vice versa.

[^1]: Bruno Latour, Reassembling the social-an introduction to actor-network-theory, Oxford 2005, S. 39

[^2]: Vergleiche zur Ähnlichkeit dessen mit der Marxistischen Analyse und zur Frage, was von Latours Antifetischismus zu halten ist: Hylton White, Materiality, Form, and Context: Marx contra Latour, in: Victorian Studies, 55/4, 2013, 667–682. (hier fehlen mir, mit anderen Worten, noch eigene Gedanken)

You are not logged in