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2015-07-09-Mittag

(Email-Antwort auf eine Frage, was vom Masterstudiengang “Geschichte und Kultur der Wissenschaft und Technik der TU Berlin zu halten sei, wenn man sich für Wissenschaftsgeschichte interessiert. Hier in leicht veränderter Form.)

Der Master GKWT ist ein interessanter Studiengang. Man studiert dabei in drei Fachgebieten zugleich, das heißt, neben Wissenschaftsgeschichte, wirst du dich auch mit Technikgeschichte und dem Feld “Kulturen des Wissens”, was von der Literaturwissenschaft bespielt wird, beschäftigen. Diese Dreiteilung muss man ernst nehmen, denn alle Fachgebiete nehmen sich ernst und haben jeweils eigene Vorstellungen. Es sind eben eigene Fachgebiete. Und dort gelten jeweils etwas andere Regeln, andere Zielsetzungen und es wird ein etwas anderer Umgang gepflegt. Für uns Studis bedeutet das weiterhin, dass wir, selbst wenn wir einen Schwerpunkt haben (bei dir scheint es grob “Wissenschaftsgeschichte” zu sein), die zwei anderen Gebiete, wenn auch weniger intensiv, mitstudiert werden müssen. Dabei gefällt vielen bei uns gerade der literaturwissenschaftliche Teil, der eigentlich eher ein kultur- oder medienwissenschaftlicher bzw. -historischer Teil ist, nicht. Da du aber von der HU kommst und zumindest das Vorurteil lautet, dass man dort mit diesen Dingen keine Probleme hat, trifft das vielleicht auch auf dich zu. Eine große Herausforderung in unserem Studium ist es, nicht nur Inselwissen anzuhäufen, sondern tatsächlich alle Fächer gemeinsam zu studieren. Ich habe zum Zusammenhang der Fachgebiete übrigens hier mal eine Notiz veröffentlicht: “Die Verbindung von Literaturwissenschaft, Wissenschafts- und Technikgeschichte”

Was gefällt mir gut?

Unser Feld ist klein und verhältnismäßig offen. Der Kontakt zu den Lehrenden relativ persönlich und der Druck auf uns Studis ist moderat bis nichtexistent. Das heißt, wir können uns (in angemessenem Rahmen) frei entfalten. Richtig “Bildung” betreiben und so. ;) Ich mag auch meine Mitstudis. Das STS-Feld, wenn man es hier mal so fassen will, ist immer noch ein Orchideenfach und dementsprechend einzigartig sind die Leute, auf die man im Rahmen des Masters trifft. Viele haben vorher etwas anderes studiert (ich z.B. Informatik) und bringen daher unterschiedlichstes Vorwissen mit in die Diskussionen. Was Seminare meistens spannend macht.

Was gefällt mir nicht so gut?

Einige Vorteile sind auch Nachteile. So gut wie niemand schließt das Studium in Regelstudienzeit ab, weil manchmal ein bisschen extrinsische Motivation fehlt. Geld ist knapp und damit die infrastrukturelle Ausstattung der Fachgebiete nicht sehr üppig. Die Lehre ist, wenn auch solide, leider nicht sehr innovativ. Zu mehr oder weniger neuen Themen, sagen wir z.B. zu den “Digital Humanities”, wird man hier kaum etwas hören. Das Problem des Inselwissens habe ich oben ja schon angedeutet.

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